Weinglossar

Weinbeschreibungen sind voller Wörter, die niemand erklärt. Manche davon bedeuten etwas, andere sind Gewohnheit. Hier stehen die Begriffe, die in unseren eigenen Produkttexten vorkommen, und bei jedem der Hinweis, ob er beim Kaufen hilft oder nur gut klingt.

Dazu steht hier nichts. Schreib uns das Wort, wir nehmen es auf.

Was auf einem Weinetikett wirklich geregelt ist

Ein Teil der Wörter auf einer Weinflasche ist gesetzlich definiert, der andere ist Gewohnheit. Geregelt sind zum Beispiel die Geschmacksangaben: Ein Stillwein darf sich trocken nennen, wenn er höchstens 4 Gramm Restzucker je Liter enthält — oder bis 9 Gramm, wenn die Gesamtsäure höchstens 2 Gramm darunter liegt. Bei Schaumwein gelten andere Zahlen, und sie stehen quer zur Erwartung: brut heißt unter 12 Gramm, trocken dagegen 17 bis 32 Gramm. Ein Schaumwein mit „trocken“ auf dem Etikett ist damit süßer als einer mit „brut“. Das ist kein Druckfehler, sondern geltendes EU-Recht.

Nicht geregelt sind Wörter wie Terroir, mineralisch oder Bouquet. Sie beschreiben Eindrücke, keine Messwerte. Dieses Glossar erklärt 53 Begriffe aus unseren eigenen Produkttexten und sagt bei jedem dazu, ob er beim Kaufen etwas bedeutet.

Geschmacksangaben bei Stillwein

Restzucker je Liter nach VO (EU) 2019/33, Anhang III Teil B
AngabeRestzucker je Liter
trockenhöchstens 4 g — oder bis 9 g, wenn die Gesamtsäure höchstens 2 g darunter liegt
halbtrockenhöchstens 12 g — oder bis 18 g unter derselben Bedingung
lieblichhöchstens 45 g
süßmehr als 45 g

Geschmacksangaben bei Schaumwein

Restzucker je Liter nach VO (EU) 2019/33, Anhang III Teil A
AngabeRestzucker je Liter
brut natureunter 3 g
extra brut0 bis 6 g
brutunter 12 g
extra trocken12 bis 17 g
trocken17 bis 32 g
halbtrocken32 bis 50 g
mildmehr als 50 g

Deshalb steht auf unseren Schaumweinen brut und nicht trocken. Wer einen wirklich trockenen Schaumwein sucht, greift zu brut oder extra brut — nicht zu dem, auf dem trocken steht.

Auf dem Etikett

Appellation

Ein abgegrenztes Herkunftsgebiet samt Regelwerk: welche Rebsorten erlaubt sind, wie viel je Hektar geerntet werden darf, wie lange gereift wird. Lugana ist eine Appellation, Bardolino auch.

DOC

Denominazione di Origine Controllata. Ein geschützter traditioneller Begriff des italienischen Weinrechts; er zeigt an, dass der Wein eine geschützte Ursprungsbezeichnung trägt. Dahinter steht immer ein Regelwerk für ein bestimmtes Gebiet.

DOCG

Dieselbe Idee, eine Stufe strenger. Das G steht für garantita und bringt eine amtliche Prüfung mit sich. Ob ein DOCG-Wein besser schmeckt als ein DOC, ist damit ausdrücklich nicht gesagt — es ist eine Aussage über Kontrolle, nicht über Genuss.

IGT

Indicazione Geografica Tipica. Weiter gefasst als eine DOC: größeres Gebiet, mehr erlaubte Rebsorten. Manche Erzeuger wählen IGT bewusst, weil sie etwas machen wollen, das die engere Appellation verbietet. Ein IGT ist deshalb nicht die schwächere Wahl, sondern manchmal die eigenwilligere.

g.U. und g.g.A.

Die europäischen Oberbegriffe: geschützte Ursprungsbezeichnung und geschützte geografische Angabe. DOC und DOCG sind die italienischen Namen für eine g.U., IGT für eine g.g.A.

Classico

Das historische Kerngebiet einer Appellation — der Teil, in dem der Wein zuerst angebaut wurde, bevor das Gebiet erweitert wurde.

Superiore

Meist etwas mehr Alkohol und eine längere Mindestreifezeit als die Basisversion. Was genau, legt jede Appellation für sich fest.

Riserva

Längere Reifezeit vor dem Verkauf. Wie lange, steht im Regelwerk der jeweiligen Appellation; eine einheitliche Zahl gibt es nicht. Riserva sagt also etwas über Zeit aus, nicht über Güte.

Jahrgang

Das Jahr der Lese, nicht das der Abfüllung.

Abfüller

Wer den Wein in die Flasche gefüllt hat. Steht auf jedem Etikett. Nennt es das Weingut selbst, kommen Traube und Flasche aus einer Hand. Steht dort ein anderer Betrieb, wurde anderswo abgefüllt. Beides ist erlaubt, das eine sagt mehr über die Herkunft als das andere.

Enthält Sulfite

Ein Allergenhinweis, kein Qualitätsurteil. Pflicht ist er ab 10 Milligramm Schwefeldioxid je Liter. Da schon die Hefe bei der Gärung Schwefeldioxid bildet, erreicht praktisch jeder Wein diesen Wert — deshalb steht der Satz auf nahezu jeder Flasche, auch auf Bioweinen.

Die Trauben

Rebsorte

Die Traubensorte, aus der ein Wein entsteht. Nicht zu verwechseln mit der Herkunft: Lugana ist ein Gebiet, Turbiana die Traube darin.

Turbiana

Die weiße Rebsorte, aus der Lugana entsteht — auch Trebbiano di Lugana genannt. Im italienischen Rebsortenregister ist sie als Trebbiano di Soave geführt. Mit dem Verdicchio der Marken ist sie eng verwandt, aber nach Auskunft des Consorzio Lugana eine eigenständige Sorte, nicht dieselbe.

Autochthon

Eine Sorte, die in ihrer Gegend zu Hause ist und anderswo kaum vorkommt. Marzemino und Groppello sind solche Sorten — im Regal selten, am See überall.

Marzemino

Alte norditalienische Rotweinsorte mit dunkler Frucht und feiner Würze.

Groppello

Die Rotweinsorte der Valtènesi am Westufer des Gardasees. Dünnschalig und hell in der Farbe.

Corvina und Rondinella

Die beiden Veroneser Sorten, aus denen die Rotweine der Gegend gebaut werden. Corvina gibt Kirsche und Säure, Rondinella Farbe und Fülle.

Cuvée

Eine Mischung — aus mehreren Rebsorten, mehreren Lagen oder mehreren Fässern. Kein Zeichen für weniger Sorgfalt, sondern eine Entscheidung.

Im Keller

Ausbau

Was nach der Gärung passiert: worin der Wein liegt und wie lange. Der Ausbau entscheidet oft deutlicher über den Geschmack als die Rebsorte. Drei Lugana aus derselben Traube können sehr verschieden schmecken.

Stahltank

Ein neutrales Gefäß. Der Wein bekommt nichts dazu, was nicht aus der Traube kommt. Wer wissen will, wie eine Sorte schmeckt, trinkt sie aus dem Stahl.

Barrique

Ein kleines Eichenfass, meist 225 Liter. Je kleiner das Fass, desto mehr Kontakt zwischen Holz und Wein — daher Vanille, Nuss, Cremigkeit. Ob das gut ist, hängt vom Wein ab, nicht vom Fass.

Großes Holzfass

Dasselbe Material, andere Wirkung: Bei mehreren tausend Litern ist die Holzfläche im Verhältnis zum Inhalt klein. Der Wein reift langsam, schmeckt aber kaum nach Holz.

Auf der Hefe, Feinhefe

Nach der Gärung sinken die Hefezellen zu Boden. Lässt man den Wein darauf liegen, gibt das Textur und einen leicht brotigen Ton. Ein Handgriff, der Zeit kostet und deshalb nicht überall gemacht wird.

Maische

Der Most samt Schalen und Kernen, bevor gepresst wird.

Mazeration

Die Zeit, die der Saft auf den Schalen verbringt. Daher kommt bei Rotwein die Farbe. Beim Chiaretto sind es nur wenige Stunden, und genau deshalb ist er so hell.

Appassimento

Trauben nach der Lese antrocknen lassen, bevor sie gepresst werden. Weniger Wasser, konzentrierterer Saft.

Metodo Classico, Flaschengärung

Die zweite Gärung findet in der Flasche statt, die später verkauft wird. Aufwendig und langsam.

Charmat, Metodo Martinotti

Die zweite Gärung findet im Drucktank statt, abgefüllt wird danach. Schneller und günstiger — und bei fruchtbetonten Schaumweinen oft die passendere Methode, weil sie die Frucht erhält, die im langen Flaschenlager verloren ginge.

Dosage

Die kleine Zuckergabe nach dem Entfernen der Hefe, die darüber entscheidet, ob ein Schaumwein brut, extra brut oder trocken heißt.

Perlage

Das Perlenbild im Glas: wie fein die Bläschen sind und wie lange sie aufsteigen.

Weinberg und Boden

Moränenboden

Was die Gletscher der Eiszeit liegen gelassen haben: Lehm, vermischt mit Kalk und Geröll. Am Südufer des Gardasees ist das der Untergrund, auf dem Turbiana wächst.

Mergel

Eine Mischung aus Kalk und Ton. Speichert Wasser und gibt es langsam wieder ab.

Terroir

Boden, Klima, Lage und Handwerk zusammengenommen. Ein Wort, das viel behauptet und wenig festlegt — und eines der wenigen, die wir selbst meiden.

Exposition

Die Himmelsrichtung, in die ein Hang zeigt. Eine Nordlage bringt kühlere Nächte und später reife Trauben, was einem kräftigen Roten Frische geben kann.

Ertrag

Wie viel Traubengut je Hektar geerntet wird. Weniger Ertrag heißt konzentrierterer Saft; die Appellationen setzen dafür Obergrenzen.

Handlese

Ernte ohne Maschine. Erlaubt, unreifes und faules Gut schon im Weinberg auszusortieren — und ist an steilen Hängen ohnehin die einzige Möglichkeit.

Im Glas

Säure

Das Gerüst eines Weins. Sie macht ihn frisch und haltbar und sorgt dafür, dass er zu Essen passt. Ohne Säure schmeckt Wein breit.

Restzucker

Der Zucker, den die Hefe übrig gelassen hat. Er entscheidet, ob ein Wein trocken heißen darf.

Trocken

Kein Geschmacksurteil, sondern eine Messgröße. Trocken heißt: höchstens 4 Gramm Restzucker je Liter — oder bis 9 Gramm, wenn die Gesamtsäure höchstens 2 Gramm darunter liegt. Ein Wein mit 8 Gramm Zucker und viel Säure darf sich also trocken nennen, und er schmeckt auch so.

Halbtrocken

Bis 12 Gramm je Liter, unter derselben Säurebedingung bis 18.

Brut

Bei Schaumwein gelten eigene Zuckerstufen, und sie stehen quer zu jeder Erwartung:

  • brut nature: unter 3 Gramm je Liter
  • extra brut: 0 bis 6 Gramm
  • brut: unter 12 Gramm
  • extra trocken: 12 bis 17 Gramm
  • trocken: 17 bis 32 Gramm
  • halbtrocken: 32 bis 50 Gramm

Ein Schaumwein mit „trocken“ auf dem Etikett ist damit süßer als einer mit „brut“. Das ist kein Druckfehler, sondern geltendes EU-Recht — und der Grund, warum bei unseren Schaumweinen brut steht und nicht trocken.

Tannin, Gerbstoff

Kommt aus Schalen, Kernen und Holz und macht den Mund pelzig. Bei jungen Rotweinen deutlich, mit den Jahren weicher.

Körper

Wie schwer oder leicht ein Wein im Mund wirkt. Hängt an Alkohol, Extrakt und Restzucker, nicht an der Farbe.

Mineralisch

Gemeint ist ein kühler, oft salziger Eindruck, wie er für Lugana typisch ist. Ob er tatsächlich vom Boden kommt, ist unter Fachleuten strittig. Der Eindruck selbst ist trotzdem da.

Schmelz

Eine weiche, fast cremige Textur. Kommt meist vom Hefelager oder vom Holz.

Abgang

Wie lange der Geschmack bleibt, nachdem geschluckt wurde. Gilt als Qualitätsmerkmal und ist eines der wenigen Fachwörter, die man ohne Vorwissen sofort nachvollziehen kann.

Bouquet

Der Duft eines Weins. Ein Wort, das nichts kann, was „Duft“ nicht auch kann.

Rund um die Flasche

Chiaretto

Der Rosé vom Gardasee. Sehr hell, weil die Schalen nur wenige Stunden im Saft bleiben, und trockener, als die Farbe vermuten lässt.

Spumante und Frizzante

Schaumwein und Perlwein, unterschieden durch den Druck in der Flasche: Perlwein hat 1 bis 2,5 bar, Schaumwein mindestens 3. Das merkt man, bevor man es nachliest.

Grappa

Gebrannt aus Trester, nicht aus Wein. Deshalb ist Grappa kein Weinbrand.

Trester

Was nach dem Pressen übrig bleibt: Schalen, Kerne, Stiele. Früher Abfall, heute der Rohstoff für Grappa.

Dekantieren

Den Wein aus der Flasche in eine Karaffe umfüllen. Hilft bei jungen, kräftigen Rotweinen und bei sehr alten, die ein Depot haben. Bei einem Lugana am Dienstagabend tut ein Schwenk im Glas dasselbe.

Trinktemperatur

Die meisten Weißweine stehen im Kühlschrank zu kalt und die meisten Rotweine im Zimmer zu warm. Eine Viertelstunde vorher herausnehmen beziehungsweise hineinstellen, und beides passt.

Woher die Angaben stammen

Alles Rechtliche haben wir im Verordnungstext selbst nachgelesen, nicht aus zweiter Hand.

AngabeQuelle
Zuckerstufen StillweinVO (EU) 2019/33, Anhang III Teil B
Zuckerstufen SchaumweinVO (EU) 2019/33, Anhang III Teil A
Sulfit-Kennzeichnung ab 10 mg/lVO (EU) 1169/2011, Anhang II Nr. 12
Perlwein 1 bis 2,5 bar, Schaumwein mindestens 3 barVO (EU) 1308/2013, Anhang VII Teil II
DOC, DOCG und IGT als traditionelle Begriffe für g.U. und g.g.A.VO (EU) 1308/2013, Artikel 112
Turbiana im Rebsortenkatalog unter Trebbiano di Soave geführtRebsortenkatalog des italienischen Landwirtschaftsministeriums, Eintrag „TREBBIANO DI SOAVE B. — Turbiana-CTL-1“
Turbiana und Verdicchio eng verwandt, aber eigenständige SortenConsorzio Tutela Lugana DOC

Einen Punkt lassen wir bewusst offen: ob der mineralische Eindruck tatsächlich vom Boden kommt. Darüber sind sich Fachleute nicht einig, also behaupten wir es nicht.

Wenn ein Wort fehlt, das dir irgendwo begegnet ist: schreib uns, wir nehmen es auf.

Erstellt am 28. August 2026 von Luganalover Wine & more GmbH, Dresden. Zuletzt geprüft am 28. August 2026.