Meist ist es buchstäblich ein anderer Wein. Lugana ist ein Anbaugebiet mit vielen Erzeugern, kein einzelner Wein – und die Flasche aus dem Regal hat einen anderen Weg hinter sich als die vom Hof. Dazu kommen Lagerung, Transport und die Temperatur im Glas. Und ein Rest, der sich ehrlicherweise nicht wegerklären lässt.
Lugana ist ein Gebiet, kein Wein
Am Südufer des Gardasees, zwischen Desenzano, Sirmione und Peschiera, wächst die Rebsorte Turbiana. Aus ihr entsteht Lugana – aber eben nicht ein Lugana. Hinter der geschützten Herkunftsbezeichnung stehen viele Häuser mit eigenen Lagen, eigenen Entscheidungen im Keller und sehr unterschiedlichen Stilen: von leicht und blumig bis dicht und lange ausgebaut.

Wer im Urlaub „einen Lugana“ getrunken hat, hatte also einen bestimmten: von einem bestimmten Erzeuger, aus einem Jahrgang, in einem Stil. Die Flasche, die zu Hause im Regal steht, kommt fast immer von einem anderen Haus – häufig von großen Abfüllern, denn für Regale in ganz Deutschland braucht es Mengen, die kleine Höfe gar nicht liefern können. Das ist keine Böswilligkeit, nur eine andere Aufgabe. Aber es erklärt, warum „Lugana“ auf dem Etikett keine Geschmacksgarantie ist.
Der Weg der Flasche entscheidet mit
Wein mag es kühl, dunkel und ruhig. Zwischen dem Keller am See und deinem Tisch liegen aber Wochen oder Monate: Transport im Sommer, Zwischenlager, ein helles Regal bei Zimmertemperatur. Ein junger Weißwein verliert auf diesem Weg zuerst das, was ihn am See ausgemacht hat – die Frische.
Deshalb machen wir es anders: Wir holen die Flaschen am Hof ab, sie fahren direkt nach Dresden und liegen dort temperaturgeführt, bis sie bestellt werden. Kein Zwischenlager, kein halbes Jahr im warmen Regal. Das ist keine Zauberei, sondern nur ein kürzerer Weg – 902 Kilometer statt einer Handelskette.


Die Temperatur im Glas
Am See kommt der Weiße aus dem Kühler auf den Tisch und wärmt sich langsam im Glas. Zu Hause trinken viele ihn direkt aus dem sehr kalten Kühlschrank – da ist er stumm. Oder er steht eine halbe Stunde in der warmen Küche – da wird er breit und müde. Ein junger Lugana zeigt am meisten zwischen acht und zehn Grad: kalt genug für die Frische, warm genug für den Duft. Praktisch heißt das: eine Viertelstunde vor dem Einschenken aus dem Kühlschrank nehmen.
Und der Rest ist der See
Ganz ehrlich: Ein Teil des Unterschieds ist der Abend selbst. Das Licht, die Terrasse, kein Wecker am nächsten Morgen. Kontext schmeckt mit, das ist keine Einbildung und nichts, was man sich abtrainieren müsste. Eine Flasche kann den See nicht mitliefern. Sie kann aber daran erinnern – wenn es dieselbe ist wie damals.
So findest du deinen Urlaubswein wieder
Fotografiere im Urlaub das Etikett, und zwar ganz: Neben „Lugana“ stehen dort der Name des Erzeugers und meist ein Eigenname des Weins. Diese beiden Angaben sind der Schlüssel – mit ihnen findest du die Flasche beim Erzeuger oder bei einem Importeur wieder, statt im Regal auf gut Glück zu greifen. Was die übrigen Wörter auf dem Etikett bedeuten, steht in unserem Weinglossar.
Wir verkosten unsere Weine an den Höfen am See, bevor sie ins Sortiment kommen – darunter sieben Lugana von vier Häusern, die wir alle selbst besucht haben. Den See können wir nicht verschicken. Den richtigen Wein schon.
Häufige Fragen
Ist Lugana aus dem Supermarkt schlechter als vom Weingut?
Nicht zwangsläufig – er ist vor allem anders: meist von großen Abfüllern, in anderem Stil und mit längerem Weg über Zwischenlager und Regal. Wer den Wein aus dem Urlaub sucht, braucht denselben Erzeuger, nicht nur dieselbe Herkunftsbezeichnung.
Bei welcher Temperatur trinkt man Lugana?
Ein junger Lugana zeigt am meisten zwischen acht und zehn Grad – kalt genug für die Frische, warm genug für den Duft. Für die gereiften Ausbauten steht die Empfehlung auf der jeweiligen Produktseite; sie reicht bei uns von acht bis zwölf Grad. Praktisch: die Flasche eine Viertelstunde vor dem Einschenken aus dem Kühlschrank nehmen.
Wie finde ich den Lugana aus meinem Urlaub wieder?
Das ganze Etikett fotografieren: Erzeugername und Weinname sind entscheidend, „Lugana“ allein reicht nicht. Damit lässt sich die Flasche beim Erzeuger oder einem Importeur wiederfinden.

